Buddha

buddha3Ein kurzer Einblick in das Leben des historischen Buddha

 

Der Buddhismus ist eine der großen Weltreligionen und doch unterscheidet er sich von den anderen in einem wichtigen Punkt. Es gibt im Buddhismus keinen Gott, den man anbeten könnte, denn Buddha hat nach der buddhistischen Lehre das Nibbāna (Parinibbāna) erreicht. Dies ist kein Ort im allgemeinen Sinn, sondern ein geistiger Zustand im Leben (vgl. oben).

Folglich kann Buddha auch keine Gebete hören oder gar Einfluss auf diese Welt nehmen.

Das Parinibbāna könnte man mit „Völligem Nibbāna“ übersetzen, es ist ein Synonym für Nibbāna, bezieht sich also nicht bloß auf das beim Tode des Vollkommen Heiligen eintretende Erlöschen der Daseinsgruppen (Khandhā-Nibbāna), wie vielfach angenommen wird.

Das allgemein bekannte Nibbāna bedeutet einen Geistes- und Herzenszustand, der lediglich im Leben und besonders im menschlichen Leben verwirklicht werden kann. Dieses höchste Heilsziel ist charakteristisch für die Lehre des Buddha. Es wird verwirklicht, indem der kulturübergreifende Befreiungsweg von Ethik, Ruhe und Einsicht vollkommen entfaltet wird. Gemäß dieser Lehre hat es also jeder Mensch selbst in der Hand, ob und in welchem Maße er oder sie diesen Weg durch wachsende Achtsamkeit entfaltet. Der Buddha fordert uns dazu auf, die kostbare Chance des menschlichen Lebens nicht ungenutzt verstreichen zu lassen.

Um 563 v. Chr., so die Gelehrten, wurde Buddha als Siddhattha Gotama geboren. Sein Vater war nach der indischen Überlieferung Suddhodana aus der Sippe der Gotama vom stolzen Sākya-Stamm. Das war einer der wohlhabendsten Kriegerstämme seiner Zeit. Er war König von Kapilavatthu, einem Land am Fuße des Himalajagebirges und heute eine Stadt in Nepal.

Verheiratet war Suddhodana mit zwei Frauen, den Schwestern Māyā und Mahāpajāpatī Gotamī. Māyā wurde die Mutter von Siddhattha Gotama, der später zum Buddha werden sollte, und mit Mahāpajāpatī Gotamī hatte er den Sohn Nanda und die Tochter Sundarīnandā. Alle lebten zusammen in einem Palast.

Etwa 10 Monate vor der Geburt des Siddhattha Gotama war in Kapilavatthu das Vollmondfest angesagt worden. Königin Māyā feierte das Fest bereits vom 7. Tag vor dem Vollmond an. Sie trank keine berauschenden Getränke und beging es mit vielen Blumen und Wohlgerüchen. Am Tag des Vollmondes badete sie in duftendem Wasser und verteilte 400.000 Münzen als Almosen. Im vollen Schmuck aß sie die erlesensten Speisen, legte die Uposatha-Gelübde ab und bettete sich im königlichen Schlafgemach zur Ruhe.

Im Schlaf hatte sie den folgenden, für ihren künftigen Sohn wegweisenden, Traum:

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Vier große Könige hoben sie von ihrem Schlaflager empor und führten sie zum Himalaja, wo sie auf der Hochebene Manosila niedergelassen wurde. Dann kamen die Königinnen und führten sie zum Anottatasee, wo Māyā mit einem Bad von der menschlichen Unreinheit gesäubert wurde. Anschließend wurde sie mit Wohlgerüchen gesalbt, mit himmlischen Gewändern bekleidet und mit göttlichen Blumen bedeckt. Auf einem nahen Silberberg befand sich ein goldener Palast, in dem ihr ein nach Osten ausgerichtetes Lager bereitet wurde, auf das man sie legte.

Nun wurde der Bodhisatta ein weißer Elefant. Er ging zu einem goldenen Berg, der nicht weit vom Goldpalast auf dem Silberberg entfernt lag. Dann stieg er hinab und ließ sich, von Norden herantretend, auf dem Silberberg nieder. Sein Rüssel glich einer Silberschnur und hielt eine weiße Lotosblume. Schließlich trat er trompetend in den goldenen Palast ein, machte dreimal einen Kreis um das Bett mit Königin Māyā – seiner Mutter – schlug ihre rechte Seite und trat in ihren Schoß. Dadurch erhielt er eine neue Existenz.

Am folgenden Morgen erwachte Māyā in ihrem Bett und erzählte ihrem Gemahl den seltsamen Traum. König Suddhodana berief 64 berühmte Brahmanen, erwies ihnen Ehre, befriedigte sie mit ausgezeichneter Nahrung und überhäufte sie mit Geschenken. Nachdem er den Brahmanen genügend Zeit gelassen hatte, sich an Speisen, Getränken und den Geschenken wohl zu tun, ließ er ihnen den Traum in allen Details erzählen und befragte sie nach seiner Bedeutung. Die Brahmanen brauchten nicht lange darüber nachzudenken und sagten:

„Habe keine Furcht, o König; die Königin hat einen Knaben empfangen und nicht ein Mädchen, du wirst einen Sohn haben; und wenn er in einem Hause verbleiben wird, wird er ein König, ein Herr über die ganze Welt werden; wenn er sein Haus verlässt und der Welt den Rücken kehrt, wird er ein Buddha werden, der auf der Erde den Schleier (der Unwissenheit) fortziehen wird.“

Über diese Nachricht war der König hocherfreut; würden sich demnach doch all seine Wünsche nach einem würdigen Nachfolger erfüllen…

Vor der Geburt des Siddhattha Gotama

Zehn Monate lang trug Königin Māyā den Bodhisatta wie Öl in einer Schale. Als die Zeit der Niederkunft gekommen war machte sie sich auf nach Devadaha, der Stadt, in der ihre Verwandten lebten. König Suddhodana war damit einverstanden und ließ den ganzen Weg vor ihrer Abreise mit Blumen, Fahnen und Bannern schmücken. Bei der Abreise saß die Königin in einem goldenen Tragsessel, den 1.000 Höflinge trugen. Außerdem hatte sie noch ein großes Gefolge – so die Legende.

Zwischen Kapilavatthu und Devadaha lag ein Lusthain von Salbäumen, der Lumbinī-Hain genannt wurde und den Bewohnern beider Städte gleichermaßen gehörte. „Zu jener Zeit waren die Bäume von den Wurzeln bis zu den Astspitzen mit Blumen übersät.“ Als die Königin diesen wunderschön anzublicken Hain sah, kam in ihr der Wunsch auf, sich im Haine zu ergehen. Sie stieg von ihrem Tragsessel, schritt auf einen der Salbäume zu und streckte ihre Hand nach einem der Äste aus.

Die Geburt des Siddhattha Gotama

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Der Ast neigte sich Königin Māyā wie die Spitze eines biegsamen Bambusrohres entgegen, so dass sie ihn ergreifen konnte. Just in diesem Augenblick wurde sie von den Geburtswehen geschüttelt. Die Menschen aus ihrem Gefolge richteten einen Vorhang für sie her und zogen sich zurück. Noch stehend und den Ast in Händen haltend gebar sie.

Während andere Wesen bei der Geburt mit unreiner Materie behaftet sind, war dies bei dem Bodhisatta nicht so – berichtet das Jākata über Buddhas Geburt. Der Bodhisatta trat aus seiner Mutter „wie ein Prediger der Lehre, der vom Lehrstuhl hinabsteigt“. Unbefleckt von jeglicher Unreinheit und leuchtend wie ein Juwel auf einem Gewebe von Benares.

Bei der Geburt des Buddha erschien ein großes Licht am Himmel und die Götter neigten sich aus den Wolken, um ihm zur Seite zu stehen. Außerdem heißt es, dass die Zeit der Geburt des Buddha von einem Sternenregen begleitet war.

Doch das seltsame Himmelslicht war nicht die einzige Merkwürdigkeit, die sich bei der Geburt des Buddha ereignete: Die Tauben begannen zu hören, die Stummen zu sprechen und die Lahmen konnten wieder gehen.

Siddhattha Gotamas Leben bis zur Suche

Bereits unmittelbar nach seiner Geburt reisten Könige aus fernen Königreichen an, um ihn auf dieser Welt zu begrüßen. Dies allein deutet schon darauf hin, dass die Geburt des Siddhattha Gotama etwas Besonderes war; ihn etwas Mystisches umgab. Seine Mutter, Königin Māyā, konnte dies alles leider nicht mehr miterleben, da sie wenige Tage nach der Niederkunft gestorben war. Und so wuchs Siddhattha Gotama als Halbwaise auf und wurde von Mahāpajāpatī Gotamī, seiner Tante und gleichzeitig auch seiner Stiefmutter, da Suddhodana ebenfalls mit ihr verheiratet war, großgezogen. Trotzdem nicht allzu viel über seine Jugend geschrieben wurde, gibt uns die Legende ein recht farbenfrohes Bild davon. So wuchs er als junger, glücklicher Prinz gleich in drei Palästen auf und wurde von seinem Vater in liebevoller Weise vor aller Berührung mit der Not, der Pein und dem Leid des menschlichen Lebens bewahrt.

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Siddhattha Gotama war Mitglied der Khattiya-Kaste und genoss dadurch eine gründliche Ausbildung in den militärischen Künsten. Auch saß er oft zu Füßen der großen Weisen und war deshalb schon früh mit allen philosophischen Lehren seiner Zeit vertraut.

So konnten ihm die Schullehrer dann auch nicht mehr viel beibringen, da er das meiste bereits wusste. In manchen Dingen soll er sogar schlauer als seine Lehrer gewesen sein. In der Buddhabiografie des Mahāyāna Buddhismus „Lalitavistara“, die aus dem 2-3 nachchristlichen Jahrhundert stammt, wird von seinem ersten Schultag berichtet, dass er ein Schreibbrett von himmlischer Farbe, das aus bestem Sandelholz hergestellt worden war, hatte. Es besaß reichliche Verzierungen aus Gold und schöne Einlegearbeiten mit Perlen. Zu seinem Lehrer Visvamitra sprach er:

„‚Welche Schrift, Meister, willst du mich lehren? Die Brahmi, die Kharosthi, die Puskarasari, die Schrift von Agna, Vanga oder Magadha?‘ Nachdem er unterschiedlichste Schriften aufzählte, schloss er mit den Worten: ‚Welche von diesen vierundsechzig Schriften also willst du mich lehren, Meister?‘ Da staunte Visvamitra, der Lehrer des Knaben, lächelte und sprach…: ‚Es ist erstaunlich, wie sich das reine Wesen hier auf Erden dem Brauch der Welt anpasst. Obwohl es alle Lehrbücher bereits studiert hat, ist es doch in die Schule gekommen! Schriften, deren Namen ich nicht einmal kenne, sind ihm geläufig, und doch ist es in die Schule gekommen.“

Als Siddhattha Gotama erwachsen wurde, stellte man ihm 500 Edeldamen vor, damit er sich von ihnen eine als Frau auswähle. Im Alter von 16 Jahren heiratete er Yasodharā (eine seiner Cousinen) und wurde nach 13 Jahren Ehe glücklicher Vater seines Sohnes Rāhula, der in Frieden, Reichtum und mit einem guten Ruf sein Leben bestritt.

Eines Tages, so die Legende, ging Siddhattha Gotama aus seinem Palast fort. Bei seiner Exkursion sah er in den Gassen der Stadt einen sehr alten Mann im Volk. Beim nächsten Mal sah er einen Kranken und bei seinem dritten Ausflug schließlich gar einen Toten, der, von trauernden Verwandten und Freunden begleitet, zur Verbrennung getragen wurde. Dies war Grund genug für ihn, sich erste Gedanken über den Sinn des Lebens, der Geburt und des Alterns, zu machen. Dazu erzählte er bei einer späteren Gelegenheit seinen Jüngern einmal:

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„Mit solchem Reichtum, ihr Jünger, war ich begabt, in solch übergroßer Herrlichkeit lebte ich. Da erwachte in mir dieser Gedanke: ‚Ein unwissender Alltagsmensch, ob er gleich selbst dem Altern unterworfen und von des Alters Macht nicht frei ist, fühlt Abscheu, Widerwillen und Ekel, wenn er einen anderen im Alter sieht: der Abscheu, den er da fühlt, kehrt sich gegen ihn selbst. Auch ich bin dem Altern unterworfen und von des Alters Macht nicht frei. Sollte auch ich, der ich dem Altern unterworfen und von des Alters Macht nicht frei bin, Abscheu, Widerwillen und Ekel fühlen, wenn ich einen anderen im Alter sehe? Das käme mir nicht zu. Indem ich, ihr Jünger, also bei mir dachte, ging mir aller Jugendmut, der der Jugend innewohnt, unter.

So, o Mönche, forschte ich vor meiner Erleuchtung, da ich selbst der Geburt unterworfen bin, nach dem Wesen der Geburt; da ich dem Altern unterworfen bin, nach dem Wesen des Alterns, der Krankheit, des Leides, der Unreinheit. Da dachte ich: ‚Was, wenn ich, da ich der Geburt unterworfen, das Wesen der Geburt erforsche … und da ich das verderbliche Wesen der Geburt erkannt habe, den geburtlosen, den allerhöchsten Frieden des Nirwana aufsuchte?“

Dies war dann der Beginn der Erleuchtung – der Ausgangspunkt seines langen Weges in der Abgeschiedenheit – der Grund, warum er seine Familie und seinen Reichtum verließ…

Siddhattha Gotamas AufbruchBei seinem vierten Ausflug in die Alltagswelt begegnete Siddhattha einem Asketen. Die Asketen waren ausnahmslos Männer, die auch als Samaṇas bezeichnet wurden. Es handelte sich dabei um wandernde Pilger auf der Suche nach einem Weg der Befreiung aus der scheinbaren Sinnlosigkeit des Lebens. Diese Begegnung war ausschlaggebend für die Art des Beginns seiner Suche nach der Erleuchtung, denn genau so sah dabei seine erste Zeit aus.

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In einer offenbar ganz spontanen Eingebung beschloss Siddhattha Gotama plötzlich seine Familie und seinen Reichtum zu verlassen, fortzuziehen und ein „Asket in der Wüste“ zu werden. So schlich er eines Nachts in das Zimmer seiner schlafenden Gemahlin und blickte zum letzten Mal auf sie und seinen Sohn. Als er das Schlafgemach betrat, brannte dort eine Lampe mit wohlriechendem Öl und das Bett war mit duftenden Jasminblüten und anderen Blumen geschmückt. Die Hand seiner Frau lag im Schlaf auf dem Haupte von Rāhula, ihrem gemeinsamen Sohn.

Während Siddhattha noch mit dem Fuß auf der Schwelle der Tür stand, überkam ihn der Gedanke, die Hand seines Weibes zur Seite zu schieben und seinen Sohn mitzunehmen. Doch der Umstand, dass sie dabei erwachen würde, ließ ihn von dieser Idee wieder absehen. Mit dem tröstenden Gedanken später, als Buddha, einmal wiederzukehren um seinen Sohn zu sehen verließ er schließlich alleine den Palast und ging in die Welt hinaus.

Der lange Weg bis zur Erleuchtung Buddhas
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Der Morgen graute bereits, als Siddhattha Gotama auf seinem Pferd Kanthaka die Stadt verließ. Am Schwanz des Pferdes klammerte sich sein treuer Wagenlenker Chaṇṇa fest. Es war sein verzweifelter Versuch den Prinzen Gotama zurückzuhalten. Doch der Versuch schlug fehl. In dieser Situation erschien ihm Māra, der Fürst des Bösen, das personifizierte Böse selbst. Māra versuchte ihn, indem er ihm mächtige Reiche versprach. Doch Siddhattha Gotama widerstand der Versuchung und lehnte ab. Sein Ritt ging weiter und mit einem einzigen, mächtigen Satz übersprang er einen großen Strom. Da verspürte er plötzlich Lust sich umzuschauen um auf seine Heimatstadt zu blicken. Doch auch dieser Versuchung widerstand er. Weiter sagt die Legende, dass sich dann die große Erde drehte, damit er nicht zurückblicken müsste..

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An einem Ort namens Uruvelā hielt er an. Dieser war nach seinem Geschmack, erquickend, bei einem schönen Wald, einem klaren Fluss mit angenehmen Badestellen und prächtigen Wiesen ringsherum zwischen den Dörfern. Sechs Jahre lang ergab er sich hier den strengsten Formen der Askese. Dabei übte er sich auch in den Künsten der Yogis, die schon damals im indischen Raum weit verbreitet waren. Seine Nahrung, die er zu sich nahm, war so schlicht, dass sie schlichter nicht sein konnte. Er ernährte sich fast ausschließlich von Samen und Gras und aß eine Zeitlang nur Dünger. Schließlich beschränkte er seinen täglichen Nahrungsbedarf auf ein einziges Reiskorn pro Tag.

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„…Dann dachte ich: ‚Was, wenn ich nur wenig Nahrung zu mir nähme, gerade soviel, wie meine hohle Hand fasst; Bohnensaft, Plattererbsen oder Hülsenfrüchte?‘ … Mein Körper wurde außergewöhnlich mager. Die Spur meines Sitzes war wie der Fußabdruck eines Kamels; das kam vom wenigen Essen. Wenn ich mich neigte und wieder aufrichtete, waren die Knochen meiner Wirbelsäule wie eine Reihe Spindeln; das kam vom wenigen Essen. Und wie man in einem tiefen Brunnen ganz tief unten das Leuchten des Wassers sieht, so sah man in meinen Augenhöhlen ganz tief unten das Leuchten meiner Augen; das kam vom wenigen Essen. Und wie ein roher Kürbis von Regen und Sonne auswittert, so schrumpfte meine Kopfhaut vom wenigen Essen ein. Wenn ich die Haut meines Bauches anfassen wollte, fiel ich mit dem Gesicht zur Erde; das kam vom wenigen Essen. Um dem Körper zu helfen, schlug ich meine Glieder mit der Hand, und da ich so tat, fielen die brüchigen Haare von meinem Körper; das kam vom wenigen Essen.“

Nur die Haare seines Körpers dienten ihm eine Zeitlang als Kleidung. Die Kopf- und Barthaare riss er sich selbst im Sinne einer Selbstgeißelung aus. Auch stand oder lag er oft stundenlang auf Dornen um sich zu quälen. Den Staub und Schmutz ließ er seinen Körper bedecken, so dass er oft wie ein alter Baum aussah. Zu weiteren Qualen suchte er einen Ort auf, an dem Menschenleichen den Vögeln und Tieren zum Fraß ausgesetzt wurden. Häufig schlief er dann auch zwischen den stinkenden und faulenden Kadavern

Zum Schluss dieser Phase seines Lebens bestand die Person Siddhattha Gotama praktisch nur noch aus Haut und Knochen. Völlig entkräftet und abgemagert schleppte sich sein gepeinigter Körper durchs Dasein. Und obwohl er die strengen asketischen Übungen mit großer Hingabe betrieben hatte kam er bei seiner Wahrheitssuche keinen Schritt weiter. Die Selbstpeinigung hatte nicht zum Ziel geführt. Dieser Gedanke kam ihm auch selbst und er stellte fest, dass ihm die Erniedrigungen und Kasteiungen die erhoffte Erleuchtung nicht gebracht hatten.

Das Gegenteil von all dem schien eher der Fall zu sein. Der gewisse Stolz des Siddhattha Gotama auf seine Selbstkasteiung schien alle Heiligkeit, die daraus hätte erwachsen können, verfälscht und in weite Ferne gerückt zu haben. Vermutlich noch gerade rechtzeitig gelangte er zu dieser Einsicht und gab das Asketentum auf. Er verließ die Samaṇas und führte sein Leben alleine weiter.

Dabei schlug er einen „mittleren Weg“ zwischen Askese und bürgerlichem Leben ein. Das hatte zur Folge, dass er auch wieder Nahrung (wenn auch nur wenig, so aber doch ausreichend) zu sich nahm. Dieser Sinneswandel war praktisch der zweite wichtige Wendepunkt in seinem Leben und wurde später als „Erwachen“ bezeichnet. Deshalb wurde Buddha teilweise auch „der Erwachte“ betitelt.

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Eines Tages ließ er sich im Schatten unter einem Bodhi-Baum nieder. So blieb er unentwegt und bewegungslos sitzen, im festen Entschluss, diese Haltung nicht eher aufzugeben bis ihm die Erleuchtung kam. „Was“, so fragte er sich, „ist die Quelle des menschlichen Elends, des Leidens, der Krankheit, des Alterns und des Sterbens?“ In diesem Augenblick überkam ihn eine endlose Vision von Tod und Wiedergeburt, die jedes Dahinscheiden durch eine erneute Geburt aufs Gründlichste vereitelte. Jede Freude und jeder Frieden wurde so durch neue Unzufriedenheit, neue Enttäuschungen, neues Leid und neue Pein getrübt.

Die Überlieferung spricht von diesen langen Stunden der Meditation, dass es eine Zeit war, in der Māra erneut kam, um die Erleuchtung zu verhindern und den angehenden Buddha zu versuchen. Doch auch diesmal hatte der Fürst des Bösen kein Glück und der Gotama widerstand ein weiteres Mal.

In dieser Phase seines Lebens wurde er der Legende nach mehrmals von Māra heimgesucht. So soll Māra einmal zu ihm gesagt haben: „Hager und hässlich siehst du aus, dem Sterben nahe. Tausend deiner teile sind schon tot, nur eines noch lebt.“ Das Angebot von Māra lautete, ihn zu verschonen, wenn er sein Streben aufgeben würde. Doch Gotama ließ sich wieder nicht auf ein Geschäft mit dem Bösen ein und beharrte darauf weiter zu forschen.

Ein anderes Mal erkundigte sich Māra bei ihm, warum er sich denn nicht vor ihm fürchte. Die Begründung lautete, dass Gebefreudigkeit und andere Tugenden in einem früheren Leben ihn heute standhaft bleiben lassen würden. Māra zweifelte und wollte einen Beweis. Darauf antwortete der Gotama: „Diese weite Erde sei mein Zeuge, indem sie in sechs mal sieben Stößen erbebe.“ Daraufhin erhob sich ein dröhnendes Erdbeben und der Beweis für Māra war gegeben.

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Zurück zu den Gedanken des Buddha bei der Erleuchtung: Geburt als das Übel allen Bösen? – Die Geburt, der Beginn des irdischen Daseins, eines der Grundübel unserer Gesellschaft? Die Antwort auf diese Fragen, die der Buddha bei seiner Erleuchtung erhielt, ist:

„Weil das Gesetz des Kamma neue Verkörperungen verlangt, in denen „man“ die Auswirkungen für die in den vergangenen Existenzen begangenen Missetaten erfährt. Wenn jedoch ein Mensch ein Leben vollkommener Gerechtigkeit, unwandelbarer Geduld und Herzlichkeit gegenüber allen Wesen leben könnte, wenn er seine Gedanken den ewigen Dingen weihen könnte und sein Herz nicht an jene Dinge hinge, die vergehen werden – dann würde ihm die Wiedergeburt vielleicht erspart bleiben, und der Brunnen des Bösen würde für ihn versiegen.“

Die Erleuchtung Siddhattha Gotamas zum Buddha hat schließlich doch noch stattgefunden; nach sieben mühseligen Jahren, unter einem Feigenbaum zu Uruvelā, nahe dem heutige Gayā.

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So zog er fort zu der heiligen Stadt Benares. Dort, im Tierpark Isipatana (heute Sarnath), hielt er seine erste Predigt als Buddha unter freiem Himmel. Seine Hörer waren seine fünf Gefährten von einst, mit denen er eine ganze Zeit des Weges bestritten hatte. Diese fünf Asketen hatten ihn verlassen, als er sich dem „mittleren Weg“ hingab. Die Predigt ist als „Dhammacakkappavattana Sutta“ (= das in Bewegung setzen des Rades der Lehre) in die Geschichte eingegangen.

Auf die Zeit, die Siddhattha Gotama Buddha predigend und lehrend bis zu seinem Tod verbrachte, soll hier nicht näher eingegangen werden. Es wird berichtet, dass der Buddha für diese Aufgabe noch gut 40 Jahre, wahrscheinlich ziemlich genau 44 Jahre, Zeit verbringen konnte bzw. musste bevor er sein irdisches Leben beendete.

Der Tod des Buddha in Kusināra
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Nicht lange vor seinem Tod wurde der Buddha von seinem Lieblingsschüler Ānanda gefragt, wie sein späteres Begräbnis vollzogen werden solle. Daraufhin antwortete der Buddha, dass er dies den gläubigen Laien und Prinzen überlassen könne. Dies wurde so interpretiert, dass man ihn auf die Begräbnisweise berühmter Leute unter einem großen Grabhügel bestatten müsse.

Der Tod des Buddha selbst ist besonders ausführlich im „Mahā Parinibbāna Sutta“ (der Rede über den Eintritt in das endgültige Nibbāna) beschrieben. Kurz vor seinem Tod wurde er demnach wieder von Māra, dem personifizierten Bösen, heimgesucht, der ihn drängte doch endlich in das Nibbāna einzutreten. Der Buddha versicherte ihm, dass dies in Kürze auch geschehen würde. Doch das bedeutete keinesfalls einen Sieg für das Böse, da die Lehre des Buddha bereits im ganzen Land verbreitet war und sich immer mehr Anhänger fanden, die die Lehre weitergaben. Der Buddhismus war auf dem Vormarsch, und nichts konnte ihn mehr aufhalten.

Der Erleuchtete starb schließlich im Jahre 483 v. Chr. im Alter von 80 Jahren in Kushinagar (heute Kasia, ein Ort nördlich von Patna, unmittelbar südlich der nepalesischen Grenze). Seine letzten Worte, an seine Jünger gerichtet, lauteten:

„Wohlan, Ihr Jünger, ich rede zu euch; vergänglich ist alles, was da geworden ist; ringet ohne Unterlass!“

Sieben Tage nach dem Tod des Buddha wurde sein Leichnam unter höchsten Ehren und mit Zeremonien, wie sie sonst nur Königen zuteil kamen, verbrannt. Die Reste seiner Gebeine wurden unter acht Gruppen seiner Anhänger aufgeteilt. Sie zählen heute zu den wichtigsten Reliquien des Buddhismus. Über ihnen hat man bald darauf Stupas errichtet.

Im Jahre 1898 fand man im Stupa des nahegelegenen Piprāvā ein Kästchen, dessen Inschrift bezeugt, dass ein gewisser Sukiti mit seinen Angehörigen diese Reliquie mit Teilen der Gebeine des Buddha hier beigesetzt hat.

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Die Karte zeigt die indisch / tibetischen Grenzregion zur Zeit Buddhas.